Viele Hausbesitzer fragen sich: Lohnt sich eine Dämmung wirklich – oder rechnet sich das erst nach Jahrzehnten?
Das Problem:
Viele Rechnungen setzen die kompletten Fassadenkosten an – obwohl diese oft sowieso angefallen wären.
In diesem Artikel zeigen wir:
- wie stark eine Dämmung die Heizlast senkt
- wie sich daraus die jährliche Energieeinsparung ableiten lässt
- und warum für die Wirtschaftlichkeit nur die Mehrkosten entscheidend sind
Ausgangssituation: Einfamilienhaus aus den 1960er-Jahren
Typische Eckdaten eines ungedämmten Bestandsgebäudes:
- Baujahr: ca. 1965
- Wohnfläche: 150 m²
- Außenwand: 30 cm Vollziegel, ungedämmt
- Fenster: ältere Doppelverglasung
- Heizsystem: Gas oder Wärmepumpe
Vereinfachte Heizlast (ungedämmt)
- Heizlast: ca. 15 kW
- Norm-Außentemperatur: −10 °C
- Innentemperatur: 20 °C
- Temperaturdifferenz: 30 K
Die Dämmmaßnahme: Fassadendämmung mit WDVS
Wir dämmen die komplette Außenfassade mit einem klassischen Wärmedämmverbundsystem.
Konkretes Dämmprodukt (Beispiel)
- EPS 032 Fassadendämmplatte
- Dämmstärke: 120 mm
- Wärmeleitfähigkeit: λ = 0,032 W/(m·K)
➡️ Typischer U-Wert der Wand:
- vorher: ca. 1,2 W/m²K
- nach Dämmung: ca. 0,24 W/m²K
👉 Die Außenwand verliert damit rund 80 % weniger Wärme.
Heizlast nach der Dämmung
Durch die stark reduzierten Außenwandverluste sinkt die Heizlast deutlich.
- vorher: 15 kW
- nach Dämmung: 7 kW
➡️ Reduktion um ca. 8 kW bzw. über 50 %
Von der Heizlast zur jährlichen Heizenergie
Wärmeverlustkoeffizient
H = Heizlast / ΔT
Ungedämmt:
15.000 W / 30 K = 500 W/K
Gedämmt:
7.000 W / 30 K ≈ 233 W/K
Jahres-Heizenergie
Annahme:
- Heizgradtage: 3.000 K·d
Q = H × Heizgradtage × 24 / 1000
Ungedämmt:
0,5 × 3.000 × 24 ≈ 36.000 kWh/a
Gedämmt:
0,233 × 3.000 × 24 ≈ 16.800 kWh/a
Ergebnis: Jährliche Einsparung
36.000 − 16.800 ≈ 19.200 kWh pro Jahr
❗ Warum die Dämmung oft viel günstiger ist als gedacht
Viele Wirtschaftlichkeitsrechnungen sind unfair, weil sie von falschen Kosten ausgehen.
Praxisbeispiel:
Für eine Fassade ohne Dämmung fallen oft bereits Kosten an für:
- Armierung
- Grob- und Feinputz
- Anschlüsse
- Anstrich
👉 Diese Arbeiten sind identisch, egal ob gedämmt wird oder nicht.
Reale Mehrkosten der Dämmung
Bei einer Fassadenfläche von ca. 150 m² entstehen zusätzlich:
| Position | Mehrkosten |
|---|---|
| Dämmplatten (EPS 032, 120 mm) | 2.500–3.700 € |
| Kleber & Dübel | 750–1.200 € |
| Mehraufwand Montage | 2.200–3.700 € |
| Summe Mehrkosten | ≈ 6.000–9.000 € |
➡️ Entscheidend ist also nicht der Gesamtpreis der Fassade, sondern nur der Mehrpreis für die Dämmung.
Was bedeutet das in Euro?
Gasheizung (0,11 €/kWh)
19.200 × 0,11 ≈ 2.100 € pro Jahr
Wärmepumpe (COP 3,2 · Strom 0,30 €/kWh)
19.200 / 3,2 ≈ 6.000 kWh Strom
6.000 × 0,30 ≈ 1.800 € pro Jahr
Amortisation der Dämmung
- Mehrinvestition: ca. 7.500 €
- Einsparung: ca. 1.800–2.100 €/a
➡️ Amortisation: ca. 4–5 Jahre
Mit Förderung oder steigenden Energiepreisen oft noch schneller.
Fazit für Hausbau-Smarter
✔ Dämmung senkt die Heizlast drastisch
✔ Die Einsparung lässt sich direkt aus der Heizlast ableiten
✔ Wirtschaftlich relevant sind nur die Mehrkosten
✔ Gerade bei Wärmepumpen ist Dämmung ein echter Effizienz-Booster
👉 In weiteren Artikeln zeigen wir, wie sich die reduzierte Heizlast auf:
- Vorlauftemperaturen
- Stromverbrauch der Wärmepumpe
- und die Auslegung der Fußbodenheizung auswirkt.