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Sanierung & Modernisierung·28.01.2026·9 Min Lesezeit

Wie viel Heizenergie spart eine Dämmung wirklich? Rechenbeispiel mit Heizlast

Wie stark senkt eine Fassadendämmung die Heizlast und den Jahresverbrauch? Realistisches Rechenbeispiel mit Mehrkosten, Dämmstoff und Einsparung.

Viele Hausbesitzer fragen sich: Lohnt sich eine Dämmung wirklich – oder rechnet sich das erst nach Jahrzehnten?

Das Problem:
Viele Rechnungen setzen die kompletten Fassadenkosten an – obwohl diese oft sowieso angefallen wären.

In diesem Artikel zeigen wir:

  • wie stark eine Dämmung die Heizlast senkt
  • wie sich daraus die jährliche Energieeinsparung ableiten lässt
  • und warum für die Wirtschaftlichkeit nur die Mehrkosten entscheidend sind

Ausgangssituation: Einfamilienhaus aus den 1960er-Jahren

Typische Eckdaten eines ungedämmten Bestandsgebäudes:

  • Baujahr: ca. 1965
  • Wohnfläche: 150 m²
  • Außenwand: 30 cm Vollziegel, ungedämmt
  • Fenster: ältere Doppelverglasung
  • Heizsystem: Gas oder Wärmepumpe

Vereinfachte Heizlast (ungedämmt)

  • Heizlast: ca. 15 kW
  • Norm-Außentemperatur: −10 °C
  • Innentemperatur: 20 °C
  • Temperaturdifferenz: 30 K

Die Dämmmaßnahme: Fassadendämmung mit WDVS

Wir dämmen die komplette Außenfassade mit einem klassischen Wärmedämmverbundsystem.

Konkretes Dämmprodukt (Beispiel)

  • EPS 032 Fassadendämmplatte
  • Dämmstärke: 120 mm
  • Wärmeleitfähigkeit: λ = 0,032 W/(m·K)

➡️ Typischer U-Wert der Wand:

  • vorher: ca. 1,2 W/m²K
  • nach Dämmung: ca. 0,24 W/m²K

👉 Die Außenwand verliert damit rund 80 % weniger Wärme.


Heizlast nach der Dämmung

Durch die stark reduzierten Außenwandverluste sinkt die Heizlast deutlich.

  • vorher: 15 kW
  • nach Dämmung: 7 kW

➡️ Reduktion um ca. 8 kW bzw. über 50 %


Von der Heizlast zur jährlichen Heizenergie

Wärmeverlustkoeffizient

H = Heizlast / ΔT

Ungedämmt:

15.000 W / 30 K = 500 W/K

Gedämmt:

7.000 W / 30 K ≈ 233 W/K

Jahres-Heizenergie

Annahme:

  • Heizgradtage: 3.000 K·d
Q = H × Heizgradtage × 24 / 1000

Ungedämmt:

0,5 × 3.000 × 24 ≈ 36.000 kWh/a

Gedämmt:

0,233 × 3.000 × 24 ≈ 16.800 kWh/a

Ergebnis: Jährliche Einsparung

36.000 − 16.800 ≈ 19.200 kWh pro Jahr

❗ Warum die Dämmung oft viel günstiger ist als gedacht

Viele Wirtschaftlichkeitsrechnungen sind unfair, weil sie von falschen Kosten ausgehen.

Praxisbeispiel:

Für eine Fassade ohne Dämmung fallen oft bereits Kosten an für:

  • Armierung
  • Grob- und Feinputz
  • Anschlüsse
  • Anstrich

👉 Diese Arbeiten sind identisch, egal ob gedämmt wird oder nicht.

Reale Mehrkosten der Dämmung

Bei einer Fassadenfläche von ca. 150 m² entstehen zusätzlich:

PositionMehrkosten
Dämmplatten (EPS 032, 120 mm)2.500–3.700 €
Kleber & Dübel750–1.200 €
Mehraufwand Montage2.200–3.700 €
Summe Mehrkosten≈ 6.000–9.000 €

➡️ Entscheidend ist also nicht der Gesamtpreis der Fassade, sondern nur der Mehrpreis für die Dämmung.


Was bedeutet das in Euro?

Gasheizung (0,11 €/kWh)

19.200 × 0,11 ≈ 2.100 € pro Jahr

Wärmepumpe (COP 3,2 · Strom 0,30 €/kWh)

19.200 / 3,2 ≈ 6.000 kWh Strom
6.000 × 0,30 ≈ 1.800 € pro Jahr

Amortisation der Dämmung

  • Mehrinvestition: ca. 7.500 €
  • Einsparung: ca. 1.800–2.100 €/a

➡️ Amortisation: ca. 4–5 Jahre

Mit Förderung oder steigenden Energiepreisen oft noch schneller.


Fazit für Hausbau-Smarter

✔ Dämmung senkt die Heizlast drastisch
✔ Die Einsparung lässt sich direkt aus der Heizlast ableiten
✔ Wirtschaftlich relevant sind nur die Mehrkosten
✔ Gerade bei Wärmepumpen ist Dämmung ein echter Effizienz-Booster

👉 In weiteren Artikeln zeigen wir, wie sich die reduzierte Heizlast auf:

  • Vorlauftemperaturen
  • Stromverbrauch der Wärmepumpe
  • und die Auslegung der Fußbodenheizung auswirkt.