Die Warmwasserbereitung ist ein oft unterschätzter Teil der Gesamtenergieeffizienz eines Hauses.
Gerade in Kombination mit einer Wärmepumpe entscheidet das gewählte System maßgeblich darüber,
wie effizient, hygienisch und zukunftssicher die Anlage arbeitet.
In diesem Artikel zeige ich:
- welche Möglichkeiten der Warmwasserbereitung es gibt
- wie sie sich technisch unterscheiden
- und warum Frischwasserstationen besonders gut zu Wärmepumpen passen
Welche Möglichkeiten der Warmwasserbereitung gibt es?
Im Einfamilienhaus sind heute hauptsächlich diese Systeme verbreitet:
1. Klassischer Trinkwarmwasserspeicher
- Großer Speicher (z. B. 200–300 Liter)
- Trinkwasser wird direkt gespeichert
- Typische Temperaturen: 55–60 °C
Vorteile:
- einfache Technik
- weit verbreitet
- geringe Investitionskosten
Nachteile:
- Legionellenrisiko
- regelmäßige Aufheizung auf hohe Temperaturen nötig
- ineffizient für Wärmepumpen
2. Trinkwasserspeicher mit elektrischer Nachheizung
- Speicher wird durch Wärmepumpe vorgewärmt
- elektrische Heizpatrone hebt die Temperatur an
Vorteile:
- technisch einfach
- Legionellenkonzept leichter umsetzbar
Nachteile:
- Stromdirekterwärmung
- hohe Betriebskosten
- konterkariert die Effizienz der Wärmepumpe
3. Durchlauferhitzer (zentral oder dezentral)
- Warmwasser wird elektrisch im Moment des Bedarfs erzeugt
Vorteile:
- keine Speicherung
- keine Legionellenproblematik
Nachteile:
- sehr hohe elektrische Anschlussleistung
- teuer im Betrieb
- kaum sinnvoll mit Wärmepumpe kombinierbar
4. Frischwasserstation (Puffer + Plattenwärmetauscher)
- Trinkwasser wird nicht gespeichert
- Erwärmung im Durchfluss
- Wärme stammt aus dem Heizungs- oder Pufferspeicher
Vorteile:
- hygienisch
- flexibel
- ideal für niedrige Temperaturen
Wie funktioniert eine Frischwasserstation?
Eine Frischwasserstation erwärmt Trinkwasser erst beim Zapfen:
- Kaltes Trinkwasser fließt durch einen Plattenwärmetauscher
- Heizungswasser liefert die notwendige Energie
- Kein Warmwasser steht im Speicher
Es gibt keinen Trinkwasserspeicher – und damit keine langen Standzeiten.
Praxis: Warmwasser mit nur 40 °C Vorlauf
In der Praxis zeigt sich ein entscheidender Vorteil von Frischwasserstationen:
Die Wärmepumpe muss für die Warmwasserbereitung nicht auf hohe Temperaturen hochfahren.
Konkret bedeutet das:
- Die Wärmepumpe arbeitet bei der Warmwasserbereitung mit nur ca. 40 °C Vorlauftemperatur
- Am Zapfhahn stehen dadurch bereits 38–39 °C warmes Wasser zur Verfügung
Und zwar:
- direkt
- ohne Zumischung von Kaltwasser
- ohne Komforteinbußen
Warum das Mischen mit Kaltwasser energetischer Unsinn ist
In vielen klassischen Warmwassersystemen passiert Folgendes:
- Wasser wird auf 55–60 °C erhitzt
- anschließend am Mischer wieder auf 38–40 °C heruntergemischt
Das bedeutet:
- unnötig hoher Temperaturhub
- schlechtere Arbeitsbedingungen für die Wärmepumpe
- höherer Stromverbrauch
- mehr Verluste im Speicher und in den Leitungen
Kurz gesagt:
Erst teuer hochheizen und dann wieder abkühlen ist energetischer Selbstmord.
Mit einer Frischwasserstation entfällt dieser Umweg vollständig.
Niedrige Temperaturen = höhere Effizienz der Wärmepumpe
Physikalisch ist das eindeutig:
- Je niedriger die benötigte Vorlauftemperatur
- desto höher der COP der Wärmepumpe
- desto geringer der Stromverbrauch
Gerade bei der Warmwasserbereitung ist das entscheidend, da:
- hier oft die höchsten Temperaturen gefordert werden
- diese Temperaturen die Jahresarbeitszahl stark verschlechtern können
Frischwasserstationen ermöglichen:
- niedrige Puffertemperaturen
- konstante Zapftemperaturen
- effizienten Betrieb auch im Winter
Hygiene: Warum Frischwasserstationen kein Legionellenproblem haben
Legionellen vermehren sich:
- in stehendem Trinkwasser
- bei langen Verweilzeiten
- im Temperaturbereich zwischen ca. 25 und 50 °C
Bei Frischwasserstationen:
- gibt es keinen Trinkwasserspeicher
- fließt Wasser nur kurzzeitig
- existieren keine großen Volumina mit Stillstand
➡️ Bei korrekter Auslegung ist das hygienische Risiko sehr gering, auch ohne 60 °C Speichertemperatur.
Gibt es auch Nachteile?
Ja – wie immer:
- höhere Investitionskosten
- etwas komplexere Hydraulik
- sorgfältige Planung erforderlich
Diese Punkte sind jedoch:
- technisch beherrschbar
- einmalig
- langfristig meist wirtschaftlich sinnvoll
Fazit
Frischwasserstationen spielen ihre Stärken besonders in Kombination mit Wärmepumpen aus.
Sie:
- ermöglichen Warmwasser bei sehr niedrigen Vorlauftemperaturen
- vermeiden unnötige Temperaturerhöhungen
- verbessern die Effizienz der Wärmepumpe spürbar
- erhöhen Hygiene und Komfort gleichzeitig
Wer seine Wärmepumpe effizient betreiben möchte, sollte die Warmwasserbereitung nicht isoliert betrachten –
sondern als zentralen Hebel für eine gute Jahresarbeitszahl.