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How-To & Praxis·28.01.2026·9 Min Lesezeit

Frischwasserstationen: Warum niedriger Vorlauf bei Wärmepumpen Gold wert ist

Frischwasserstation statt Warmwasserspeicher: Warum dieses System perfekt zur Wärmepumpe passt, wie Legionellen vermieden werden und weshalb niedrige Vorlauftemperaturen entscheidend sind.

Die Warmwasserbereitung ist einer der größten Effizienzkiller bei Wärmepumpen – und gleichzeitig einer der Bereiche, in denen mit der richtigen Technik am meisten gewonnen werden kann.

Eine Frischwasserstation (FWS) ist dabei kein Luxus, sondern oft die technisch sauberste Lösung, wenn du:

  • mit einer Wärmepumpe arbeitest
  • niedrige Vorlauftemperaturen fahren willst
  • Legionellen vermeiden möchtest
  • und trotzdem komfortabel warmes Wasser brauchst

In diesem Artikel schauen wir uns praxisnah an, warum das so ist.


Was ist eine Frischwasserstation überhaupt?

Eine Frischwasserstation bereitet Warmwasser nicht auf Vorrat, sondern im Durchfluss:

  • Im Pufferspeicher befindet sich nur Heizungswasser
  • Beim Zapfen fließt kaltes Trinkwasser durch einen Plattenwärmetauscher
  • Die Wärme wird direkt vom Pufferspeicher auf das Trinkwasser übertragen
  • Es wird kein Trinkwasser gespeichert

➡️ Ergebnis: Warmwasser „on demand“ – ähnlich wie beim Durchlauferhitzer, aber mit deutlich besserer Effizienz.


Der größte Vorteil: Kein Legionellenproblem

Legionellen entstehen dort, wo:

  • Trinkwasser länger steht
  • Temperaturen im kritischen Bereich (ca. 25–50 °C) liegen

Bei der Frischwasserstation gilt:

  • ❌ kein stehendes Trinkwasser
  • ❌ kein klassischer Warmwasserspeicher
  • ❌ keine Legionellenschaltung nötig

✅ Damit entfällt der Zwang, regelmäßig auf 60 °C oder mehr aufzuheizen – ein riesiger Vorteil für Wärmepumpen.


Warum niedrige Vorlauftemperaturen so entscheidend sind

Für Wärmepumpen gilt eine einfache Regel:

Je höher der Vorlauf, desto schlechter der COP.

Viele klassische Warmwassersysteme zwingen die Wärmepumpe zu:

  • 55–60 °C Vorlauf
  • oft sogar regelmäßig (Legionellenprogramme)

Mit einer Frischwasserstation sieht das anders aus:

  • Pufferspeicher z. B. auf 40–45 °C
  • trotzdem 38–39 °C Warmwasser am Hahn
  • kein Mischen mit Kaltwasser nötig

👉 Das ist wichtig:
Warmwasser, das nicht mit Kaltwasser gemischt werden muss, ist energetisch deutlich sinnvoller als „zu heiß erzeugen und dann wieder abkühlen“.


Praxisbeispiel: Warmwasser mit 38–39 °C aus 40 °C Vorlauf

In der Praxis (z. B. bei gut ausgelegter FWS):

  • Pufferspeicher: ca. 40–45 °C
  • Zapftemperatur: ca. 38–39 °C
  • Dusche ohne Beimischen von Kaltwasser

Warum das effizient ist:

  • geringere Temperaturspreizung
  • weniger Verdichterarbeit
  • bessere Jahresarbeitszahl (JAZ)
  • weniger Taktung der Wärmepumpe

Vergleich: Warmwassersysteme im Überblick

SystemEffizienz mit WPLegionellenVorlauftemperatur
Warmwasserspeicher❌ schlecht⚠️ kritischhoch (55–60 °C)
Frischwasserstation✅ sehr gut✅ unkritischniedrig (40–45 °C)
Durchlauferhitzer (elektrisch)❌ sehr schlecht✅ unkritisch
Kombispeicher⚠️ mittel⚠️ kritischoft hoch

Typische Einwände – und warum sie meist nicht stimmen

„Frischwasserstationen brauchen hohe Temperaturen“

❌ Nein. Entscheidend sind:

  • ausreichend dimensionierter Wärmetauscher
  • ausreichende Zapfleistung
  • saubere Hydraulik

„Das funktioniert nur mit riesigen Puffern“

❌ Ebenfalls falsch. Wichtig ist nicht die Größe allein, sondern:

  • Schichtung
  • richtige Entnahmehöhe
  • sinnvolle Regelung

„Das ist viel komplizierter“

⚠️ Ja – in der Planung.
Im Betrieb ist eine Frischwasserstation oft wartungsarm und stabil, wenn sie richtig ausgelegt wurde.


Wann ist eine Frischwasserstation besonders sinnvoll?

Eine FWS spielt ihre Stärken aus, wenn:

  • eine Wärmepumpe im Einsatz ist
  • niedrige Vorlauftemperaturen angestrebt werden
  • mehrere Zapfstellen vorhanden sind
  • Komfort + Effizienz gleichermaßen wichtig sind
  • PV-Überschuss genutzt werden soll (thermischer Speicher)

Wann eher nicht?

Weniger sinnvoll ist sie:

  • bei sehr kleinen Systemen mit Minimalbedarf
  • wenn ohnehin dauerhaft hohe Vorläufe gefahren werden (z. B. alte Radiatoren ohne Anpassung)
  • wenn Planung/Einregulierung „nebenbei“ passieren soll

Fazit: Frischwasserstation = Wärmepumpen-Logik zu Ende gedacht

Die Frischwasserstation passt konzeptionell perfekt zur Wärmepumpe:

  • kein unnötig heißes Wasser
  • kein Legionellenzwang
  • bessere Effizienz
  • hoher Komfort
  • saubere Trennung von Heizungs- und Trinkwasser

Wenn du mit niedrigen Vorlauftemperaturen arbeiten willst (und solltest), ist die Frischwasserstation kein „Nice-to-have“, sondern oft die beste technische Lösung.


➡️ Passend dazu: 7 Hausbau-Mythen, die dich jedes Jahr tausende Euro kosten

Wenn du willst, machen wir als nächsten Schritt:

  • einen Vergleichsrechner Warmwasser (Speicher vs FWS)
  • oder einen Praxisartikel zur Auslegung einer Frischwasserstation (Zapfleistung, Plattenwärmetauscher, Pumpen, Regelung)