Das Spülen einer Fußbodenheizung ist eine gezielte Maßnahme, um Luftpolster, Montagerückstände und Verschmutzungen aus den Heizkreisen zu entfernen. Im Gegensatz zum reinen Entlüften werden die einzelnen Kreise aktiv mit Wasser durchströmt.
Wichtig dabei:
Spülen und Befüllen moderner Heizungsanlagen darf nur mit aufbereitetem Heizungswasser nach VDI 2035 erfolgen.
Einfaches Leitungswasser kann Korrosion, Ablagerungen und Schäden an Wärmepumpe, Verteilern und Ventilen verursachen.
Diese Anleitung beschreibt ein fachlich korrektes, normkonformes Vorgehen, das auch von technisch versierten Laien umgesetzt werden kann.
Unterschied: Spülen vs. Entlüften
Entlüften
- entfernt eingeschlossene Luft
- nutzt den bestehenden Anlagendruck
- geeignet bei leichten Problemen
Spülen
- aktives Durchdrücken der Heizkreise
- entfernt Luft, Schmutz und Rückstände
- sinnvoll bei Neubau, Sanierung oder hartnäckigen Problemen
Faustregel:
Bringt Entlüften keine nachhaltige Verbesserung, ist Spülen der nächste Schritt.
Warum Heizungswasser nach VDI 2035 Pflicht ist
Moderne Fußbodenheizungen bestehen aus langen Rohrleitungen, Metallverteilern, Ventilen und hocheffizienten Wärmeerzeugern. Um Schäden zu vermeiden, schreibt die VDI 2035 Anforderungen an das Heizungswasser vor.
Ziel der VDI 2035:
- Korrosion vermeiden
- Steinbildung verhindern
- Magnetitbildung reduzieren
- Funktionsfähigkeit und Effizienz langfristig sichern
Ungeeignetes Wasser kann:
- Wärmetauscher schädigen
- Ventile blockieren
- Pumpen beschädigen
- Gewährleistungsansprüche gefährden
Deshalb gilt:
Das Wasser, das nach dem Spülen im System verbleibt, muss VDI-2035-konform sein.
Wann sollte eine Fußbodenheizung gespült werden?
Typische Anzeichen:
- einzelne Heizkreise bleiben kalt oder reagieren träge
- stark unterschiedliche Bodentemperaturen
- Durchflussanzeigen bewegen sich kaum
- Neubau ohne dokumentierte Erstspülung
- wiederholtes Entlüften ohne Erfolg
Besonders sinnvoll:
- vor Erstinbetriebnahme
- nach Estrich- oder Umbauarbeiten
- nach Tausch von Verteilern oder Ventilen
Benötigte Werkzeuge und Materialien
Für das fachgerechte Spülen werden folgende Komponenten benötigt:
-
Schlauchset (druckfest, ausreichend lang)
→ z. B. Gartenschlauch 1/2 Zoll* -
Adapter für Heizkreisverteiler (Vorlauf / Rücklauf) (Dimension prüfen) → z. B. Heizkreis-Spüladapter*
-
Auffangbehälter oder Abflussanschluss
-
Lappen und Handtücher
Zwingend erforderlich:
- Wasseraufbereitungskartusche nach VDI 2035
→ z. B. Heizungs-Füllkartusche VDI 2035*
Optional, aber empfohlen:
- Leitfähigkeits- / TDS-Messgerät
→ z. B. Leitfähigkeitsmesser*
Vorbereitung und Sicherheit
Vor Beginn unbedingt beachten:
- Wärmepumpe oder Heizkessel ausschalten
- Umwälzpumpe abschalten
- Heizungsanlage drucklos machen
- Heizkreisverteiler frei zugänglich
- Alle Heizkreise zunächst schließen
Wichtig: Das Spülen erfolgt immer einzeln pro Heizkreis, niemals mehrere gleichzeitig.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: Fußbodenheizung spülen
Schritt 1: Anschluss über Wasseraufbereitung herstellen
Der Wasseranschluss erfolgt nicht direkt über die Trinkwasserleitung, sondern über die VDI-2035-Kartusche.
Reihenfolge: Trinkwasser → Kartusche → Heizkreisverteiler (Vorlauf)
Der Rücklauf wird:
- in einen Eimer geführt oder
- direkt an einen Abfluss angeschlossen.
Schritt 2: Ersten Heizkreis öffnen
Alle Heizkreise bleiben geschlossen, nur ein Heizkreis wird vollständig geöffnet.
Schritt 3: Heizkreis spülen
Wasser langsam aufdrehen und den Heizkreis aktiv durchspülen.
Beobachten:
- Luftblasen
- trübes oder verfärbtes Wasser
- ungleichmäßigen Durchfluss
Typische Spüldauer: 2–5 Minuten pro Heizkreis, bis das Wasser klar und blasenfrei austritt.
Schritt 4: Heizkreis schließen
Nach erfolgreicher Spülung wird der Heizkreis wieder geschlossen.
Schritt 5: Nächsten Heizkreis spülen
Vorgang für alle Heizkreise einzeln wiederholen.
Schritt 6: Anlage befüllen und entlüften
Nach Abschluss:
- alle Heizkreise öffnen
- Heizungsanlage ausschließlich mit VDI-2035-Wasser befüllen
- Anlagendruck herstellen (typisch 1,5–2,0 bar im EFH)
Anschließend empfiehlt sich ein klassisches Entlüften am Heizkreisverteiler.
Alternative Vorgehensweise (falls nicht über Kartusche gespült wird)
Falls technisch nicht anders möglich:
- Spülen mit Leitungswasser
- Anlage vollständig entleeren
- Neubefüllung ausschließlich über VDI-2035-Kartusche
Diese Variante ist aufwendiger, aber fachlich korrekt.
Kontrolle nach dem Spülen
Nach dem Wiederanlauf prüfen:
- gleichmäßige Durchflussanzeigen
- ruhiger Anlagenbetrieb
- deutlich gleichmäßigere Wärmeverteilung
- stabiler Anlagendruck
Verbesserungen zeigen sich oft bereits nach wenigen Stunden.
Häufige Fehler beim Spülen
- Spülen ohne Wasseraufbereitung
- mehrere Heizkreise gleichzeitig geöffnet
- Umwälzpumpe während des Spülens aktiv
- zu hoher Wasserdruck
- kein anschließendes Entlüften
Wann ein Fachbetrieb sinnvoll ist
Ein Fachbetrieb sollte hinzugezogen werden, wenn:
- kein ausreichender Durchfluss möglich ist
- Ventile blockiert sind
- starke Verschmutzungen auftreten
- Heizkreise trotz Spülung kalt bleiben
Fazit
Das Spülen der Fußbodenheizung ist eine wirkungsvolle Maßnahme, um Luft, Schmutz und Montagerückstände zu entfernen. Entscheidend ist dabei die konsequente Einhaltung der VDI 2035.
Mit einer geeigneten Wasseraufbereitung lässt sich das Spülen auch von Laien fachgerecht durchführen – ohne Risiko für Wärmepumpe, Heizkreisverteiler oder Ventile.
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