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PV & Heiztechnik·28.01.2026·9 Min Lesezeit

Heizlast vereinfacht berechnen – praxisnah erklärt mit echtem Beispiel

Heizlast berechnen ohne komplizierte DIN-Formeln: Schritt-für-Schritt-Anleitung mit U-Werten, Flächen und realem Einfamilienhaus-Beispiel.

Warum eine vereinfachte Heizlast völlig ausreichend ist

Für die exakte Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 braucht es Spezialsoftware, viele Annahmen und Erfahrung.
Für die Auslegung einer Wärmepumpe oder Fußbodenheizung reicht jedoch in der Praxis meist eine vereinfachte Berechnung, die erstaunlich nah an die Normwerte herankommt.

Dieser Artikel zeigt Schritt für Schritt:

  • wie du mit U-Werten und Flächen arbeitest
  • wie Transmissions- und Lüftungsverluste berechnet werden
  • und wie daraus die Raum- und Gebäudeheizlast entsteht

👉 Grundlage ist ein reales Einfamilienhaus mit ca. 150 m² Wohnfläche.

Beispiel:


1️⃣ Grundannahmen festlegen

Bevor gerechnet wird, brauchen wir ein paar feste Werte:

  • Norm-Außentemperatur: −10 °C
  • Innentemperaturen:
    • Wohnräume: 20 °C
    • Schlafzimmer: 18 °C
    • Kinderzimmer: 22 °C
    • Bad: 24 °C
  • Temperaturdifferenz (ΔT):
    • Wohnräume: 30 K
    • Schlafzimmer: 28 K
    • Bad: 34 K

Diese Werte sind typisch für Süddeutschland und werden auch von vielen Planungsbüros genutzt.


2️⃣ Transmissionswärmeverluste berechnen

Hier geht es um Wärmeverluste durch:

  • Außenwände
  • Fenster & Türen
  • Dach / Decke
  • Boden gegen Keller oder Erdreich

🔹 Grundformel

Wärmeverlust = U-Wert × Fläche × Temperaturdifferenz

🔹 Beispiel: Wohnzimmer

BauteilU-WertFlächeVerlust
Fenster1,206,9 m²248 W
Außenwand0,2124,8 m²156 W
Boden gegen Keller0,6019,9 m²240 W

⚠️ Vereinfachung:
Boden gegen Keller wird hier bewusst wie ein Außenbauteil gerechnet. In der DIN wird dafür eine reduzierte Temperatur angesetzt – für eine Näherung ist diese Annahme aber zulässig.

➡️ Transmissionsverlust Wohnzimmer: ca. 640 W


3️⃣ Lüftungswärmeverluste berücksichtigen

Auch ohne Lüftungsanlage geht Wärme verloren – durch:

  • Undichtigkeiten
  • Fensterlüftung
  • Türöffnungen

🔹 Vereinfachte Formel

Lüftungsverlust = 0,34 × Raumvolumen × Luftwechsel × ΔT

🔹 Typische Annahmen:

  • Raumhöhe: 2,5 m
  • Luftwechsel:
    • ohne KWL: 0,4
    • mit KWL: 0,15

🔹 Beispiel Wohnzimmer

  • Fläche: 20 m²
  • Volumen: 50 m³
  • Luftwechsel: 0,4
  • ΔT: 30 K
0,34 × 50 × 0,4 × 30 ≈ 200 W

➡️ Lüftungsverlust Wohnzimmer: ca. 280 W (inkl. Sicherheitsaufschlag)


4️⃣ Raumheizlast ermitteln

Raumheizlast = Transmissionsverluste + Lüftungsverluste

🔹 Wohnzimmer

  • Transmission: 640 W
  • Lüftung: 280 W

➡️ Raumheizlast: 920 W


5️⃣ Gebäudeheizlast berechnen

Dieser Schritt ist einfach:

  • Alle Raumheizlasten addieren
  • Kein zusätzlicher Sicherheitszuschlag nötig

🔹 Ergebnis Beispielhaus

  • Wohnfläche: ca. 150 m²
  • Summe aller Räume: ≈ 6.200 W

➡️ Gebäudeheizlast: ~6,2 kW


6️⃣ Warum diese Methode für Wärmepumpen ideal ist

Diese vereinfachte Heizlast:

  • liegt meist nur 5–15 % über der DIN-Berechnung
  • verhindert Überdimensionierung
  • passt perfekt zu niedrigen Vorlauftemperaturen
  • ist ideal für Fußbodenheizungen

Gerade bei modernen Neubauten oder gut sanierten Häusern ist sie praxisnäher als viele pauschale kW-Faustformeln.


Fazit

Du brauchst keine teure Software, um ein gutes Gefühl für deine Heizlast zu bekommen.

Mit:

  • U-Werten aus dem Energieausweis oder 👉 U-Wert-Rechner von Ubakus

  • realistischen Temperaturen

  • und einer einfachen Lüftungsannahme

kannst du deine Heizung sauber und effizient auslegen – besonders bei Wärmepumpen.

👉 In weiteren Artikeln zeigen wir, wie sich diese Heizlast direkt auf:

  • Fußbodenheizung
  • Pufferspeicher
  • Vorlauftemperaturen
  • und den Stromverbrauch auswirkt.