Die Frage nach der PV-Erzeugung im Winter gehört zu den häufigsten Diskussionen rund um Photovoltaik.
Oft hört man Aussagen wie:
„Im Winter bringt PV ja nichts.“
Oder:
„Ohne Speicher lohnt sich das nicht.“
In diesem Artikel zeige ich reale Ertrags- und Eigenverbrauchsdaten aus einem Einfamilienhaus – ohne Speicher, mit Ost/West-Ausrichtung – und stelle Wintermonate dem September gegenüber.
Die PV-Anlage (Rahmendaten)
- Anlagengröße: 17,5 kWp
- Ausrichtung: Ost / West
- Speicher: keiner
- Nutzung: Eigenverbrauch + Einspeisung
- Gebäude: Einfamilienhaus (siehe Stromverbrauch der Wärmepumpe im Winter)
Diese Konfiguration ist sehr praxisnah und entspricht vielen heutigen EFH-Anlagen.
PV-Erzeugung im Dezember (Winter)
- Ertrag gesamt: 231 kWh
- Direkt selbst verbraucht: 205 kWh
- Einspeisung: 26 kWh
👉 Eigenverbrauchsquote: ca. 89 %
Der geringe absolute Ertrag ist typisch für:
- kurze Tage
- niedrigen Sonnenstand
- häufige Bewölkung / Nebel
Trotzdem zeigt sich:
- Fast der gesamte erzeugte Strom wird direkt im Haus genutzt
- Einspeisung spielt im Winter kaum eine Rolle
PV-Erzeugung im Januar (Winter)
- Ertrag gesamt: 280 kWh
- Direkt selbst verbraucht: 237,5 kWh
- Einspeisung: 42,5 kWh
👉 Eigenverbrauchsquote: ca. 85 %
Der Januar bringt:
- etwas längere Tage als der Dezember
- aber oft tiefere Temperaturen
Auch hier gilt:
- Die PV arbeitet nicht ertragsstark, aber hochgradig eigenverbrauchsorientiert
- Jeder erzeugte kWh reduziert direkt den Netzbezug
Vergleich: PV-Erzeugung im September (Übergangszeit)
Zum Vergleich ein Monat mit deutlich besseren Bedingungen:
- Ertrag gesamt: 1,45 MWh
- Eigenverbrauch: 868 kWh
- Einspeisung: 578 kWh
👉 Eigenverbrauchsquote: ca. 60 %
Typisch für den September:
- lange Tage
- noch hoher Sonnenstand
- geringerer Heizbedarf
- mehr Stromüberschuss
Hier sieht man:
- deutlich höhere absolute Erträge
- steigende Einspeisung
- sinkende Eigenverbrauchsquote (prozentual)
Gegenüberstellung der Monate
| Monat | Ertrag gesamt | Eigenverbrauch | Einspeisung | Eigenverbrauchsquote |
|---|---|---|---|---|
| Dezember | 231 kWh | 205 kWh | 26 kWh | ~89 % |
| Januar | 280 kWh | 237,5 kWh | 42,5 kWh | ~85 % |
| September | 1.450 kWh | 868 kWh | 578 kWh | ~60 % |
Warum PV im Winter trotzdem sinnvoll ist
Auch wenn die Erträge im Winter niedrig sind:
- Hoher Eigenverbrauch
- Direkte Reduktion des Netzbezugs
- Perfekte Ergänzung zur Wärmepumpe
- Kein Speicher nötig, um sinnvoll zu sein
Gerade in Kombination mit:
- Wärmepumpe
- Haushaltsverbrauch
- tagsüber anfallenden Lasten
liefert die PV auch im Winter echten Nutzen.
Ost/West-Ausrichtung: Vorteil im Eigenverbrauch
Die Ost/West-Ausrichtung sorgt dafür, dass:
- Erzeugung morgens früher beginnt
- abends länger anhält
- Lasten besser abgedeckt werden
Das ist besonders im Winter relevant, wenn:
- die Sonne ohnehin niedrig steht
- kurze Ertragsfenster optimal genutzt werden müssen
Fazit
Die Praxisdaten zeigen sehr klar:
- PV liefert im Winter weniger Energie, aber hochwertige Energie
- Der Eigenverbrauch ist im Winter extrem hoch
- Auch ohne Speicher reduziert PV den Netzstrombezug spürbar
- Übergangsmonate wie der September liefern den Großteil der Jahreserträge
Wer Photovoltaik realistisch bewerten will, muss:
- Winter und Sommer betrachten
- Eigenverbrauch und Einspeisung einordnen
- und echte Monatswerte vergleichen
Genau das zeigen diese Zahlen.