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How-To & Praxis·28.01.2026·11 Min Lesezeit

Dämmung-Rechner: Einsparung & Amortisation aus der Heizlast

Wie viel Heizenergie spart eine Dämmmaßnahme wirklich – und wann amortisiert sie sich? Mit einem einfachen Rechner auf Basis der Heizlast (statt Bauchgefühl).

Viele rechnen Dämmung „nach Gefühl“ – oder mit irgendwelchen pauschalen kWh/m²-Werten. Das führt fast immer zu Diskussionen wie:

  • „Das amortisiert sich doch nie.“
  • „Bei mir kostet die Fassade schon 20.000 € – Dämmung kann doch nicht nochmal so viel kosten.“
  • „Heizlast sagt doch gar nichts über den Jahresverbrauch.“

Stimmt teilweise – aber man kann das sauber und praxisnah rechnen, wenn man einen sinnvollen Startpunkt wählt: die Heizlast.

In diesem Artikel bekommst du:

  • einen verständlichen Ansatz, wie man aus Heizlast eine Jahres-Heizenergie abschätzt,
  • wie man daraus Einsparung und Amortisation berechnet,
  • und welche Annahmen du transparent machen solltest.

Hinweis: Das ist ein Überschlags-Rechner, kein Ersatz für eine vollständige Gebäudesimulation. Dafür ist er schnell, nachvollziehbar und für Entscheidungen oft „genau genug“.


1) Warum Heizlast ein guter Startpunkt ist

Die Heizlast (Watt) sagt: Wie viel Leistung braucht dein Haus bei Norm-Außentemperatur, um innen warm zu bleiben?
Das ist nicht direkt der Jahresverbrauch – aber die Heizlast ist eng mit dem energetischen Zustand der Hülle (U-Werte, Lüftung, Wärmebrücken) verknüpft.

Wenn du dämmst, sinkt die Heizlast. Und wenn die Heizlast sinkt, sinkt typischerweise auch die Jahres-Heizenergie.


2) Die Kernidee des Rechners

Wir brauchen drei Dinge:

  1. Heizlast vorher (in kW)
  2. Heizlast nachher (in kW) – oder zumindest eine Abschätzung, um wie viel % sie sinkt
  3. Heizstunden pro Jahr (Volllaststunden) – als Klima-/Standort-Faktor

Dann gilt als einfache Näherung:

Jahres-Heizenergie (kWh) ≈ Heizlast (kW) × Heizstunden (h/a)

Und die Einsparung durch Dämmung:

Einsparung (kWh/a) = (Heizlast_alt − Heizlast_neu) × Heizstunden


3) Welche Heizstunden nehme ich?

Das ist der entscheidende Parameter, weil er Klima und Nutzerverhalten grob abbildet.

Als grobe Orientierung für Deutschland (Überschlag):

  • 1.600 h/a = mild / sehr effizient / viel interne Gewinne
  • 2.000 h/a = „typisch“ (guter Startwert)
  • 2.400 h/a = kälter / hohe Heizperiode / weniger Gewinne

Wenn du unsicher bist: starte mit 2.000 h/a und rechne zusätzlich einmal mit 1.600 und 2.400 als Bandbreite.


4) Von kWh zu Euro: so rechnest du die jährliche Ersparnis

Du brauchst jetzt nur noch deinen Energiepreis.

a) Wärmepumpe

Bei WP musst du zwischen Wärmeenergie und Strom unterscheiden:

  • Wärmebedarf-Einsparung: ΔQ (kWh Wärme)
  • Strom-Einsparung: ΔQ / JAZ
  • Kostenersparnis: (ΔQ / JAZ) × Strompreis

Beispiel:

  • ΔQ = 3.000 kWh Wärme/Jahr
  • JAZ = 3,5
  • Strompreis = 0,30 €/kWh

→ Stromersparnis = 3.000 / 3,5 = 857 kWh
→ Kostenersparnis = 857 × 0,30 € = 257 €/a

b) Gas / Öl

Hier ist es einfacher (mit Wirkungsgrad grob):

  • Brennstoffersparnis ≈ ΔQ / η
  • Kostenersparnis = (ΔQ / η) × Preis

Für grobe Rechnungen setzen viele η ≈ 0,9 bis 1,0 an (je nach Anlage).


5) Amortisation: so rechnest du sie „ehrlich“

Amortisationszeit (Jahre) = Investition / jährliche Kostenersparnis

Wichtig: Bei Fassadenmaßnahmen ist ein großer Teil der Kosten ohnehin irgendwann fällig (Putz, Anstrich, Gerüst).
Für eine faire Betrachtung rechnest du deshalb oft mit:

Mehrkosten Dämmung = (Fassade mit Dämmung) − (Fassade ohne Dämmung)

Genau das ist der Punkt, an dem viele Rechnungen kippen:
Wenn du die komplette Fassade als „Dämmkosten“ rechnest, wirkt Dämmung künstlich schlecht.


6) Beispielrechnung (mit bewusst runden Zahlen)

Angenommen:

  • Heizlast alt: 8,0 kW
  • Heizlast neu nach Dämmung: 6,2 kW
  • Heizstunden: 2.000 h/a

Dann:

  • Jahresenergie alt ≈ 8,0 × 2.000 = 16.000 kWh/a
  • Jahresenergie neu ≈ 6,2 × 2.000 = 12.400 kWh/a
  • Einsparung ≈ 3.600 kWh/a (Wärme)

Wenn Wärmepumpe (JAZ 3,5) & Strom 0,30 €/kWh:

  • Stromersparnis ≈ 3.600 / 3,5 = 1.029 kWh/a
  • Kostenersparnis ≈ 1.029 × 0,30 = 309 €/a

Amortisation bei Mehrkosten Dämmung von 8.000 €:

  • 8.000 / 309 ≈ 25,9 Jahre

Klingt lang? Ja – und genau deshalb ist die Mehrkosten-Sicht so wichtig.
Und: Diese Rechnung enthält noch keinen Komfortgewinn (wärmere Innenoberflächen), keine Wertsteigerung, keine möglichen Förderungen und keine Risiko-/Schadensvermeidung (Feuchte/Wärmebrücken).


7) Was der Rechner NICHT (oder nur grob) abbildet

Damit du den Artikel ehrlich nutzen kannst:

  • Interne Gewinne (Menschen, Geräte, Sonne) sind pauschal in den Heizstunden „versteckt“
  • Lüftungswärmeverluste ändern sich durch Dämmung nur indirekt (außer du machst Luftdichtheit/Lüftung mit)
  • Wärmebrücken können die Wirkung schmälern – oder durch Sanierung deutlich verbessern
  • Nutzerverhalten (22 °C vs 20 °C) kann die Einsparung massiv verändern

Genau deshalb ist die Bandbreitenrechnung (z. B. 1.600/2.000/2.400 h) so sinnvoll.


8) So ermittelst du Heizlast „alt“ und „neu“

Heizlast alt

  • aus Heizlastberechnung nach DIN/EN (Planungsunterlagen)
  • oder grob aus Energieberatung / Sanierungsfahrplan
  • oder (ganz grob) aus Verbrauch + Wetterdaten (aufwendiger, aber möglich)

Heizlast neu (nach Dämmung)

  • ideal: neue Heizlastberechnung
  • alternativ: pro Bauteil über U-Wert-Verbesserung abschätzen
    Für U-Werte & Schichten ist z. B. Ubakus hilfreich: Ubakus U-Wert-Rechner

9) Rechner-Formeln auf einen Blick

Eingaben:

  • P_alt (kW), P_neu (kW)
  • Heizstunden H (h/a)
  • Preis (€/kWh)
  • System: Wärmepumpe (JAZ) oder Brennstoff (η)
  • Mehrkosten Dämmung (€)

Rechnung:

  • Q_alt = P_alt × H
  • Q_neu = P_neu × H
  • ΔQ = Q_alt − Q_neu

Kostenersparnis:

  • WP: €_save = (ΔQ / JAZ) × Strompreis
  • Gas/Öl: €_save = (ΔQ / η) × Preis

Amortisation:

  • Jahre = Mehrkosten / €_save

10) Fazit: Warum dieser Ansatz so gut funktioniert

Der Heizlast-basierte Rechner ist:

  • schnell (du brauchst keine 30 Detailparameter)
  • transparent (jede Annahme ist sichtbar)
  • vergleichbar (Maßnahmen lassen sich gegeneinander rechnen)
  • perfekt als Grundlage für eine spätere interaktive Rechner-Seite

➡️ Passend dazu: 7 Hausbau-Mythen, die dich jedes Jahr tausende Euro kosten

Wenn du willst, erstelle ich dir als nächstes direkt die interaktive Rechner-Komponente (Formular + Ergebnisbox + Bandbreitenrechnung) für Next.js – aber dieser Artikel ist schon die saubere Grundlage dafür.