Viele Entscheidungen im Hausbau entstehen aus „hat man immer so gemacht“. Das Problem: Einige dieser Sprüche sind teuer – nicht sofort, aber jedes Jahr wieder: über unnötig hohe Vorlauftemperaturen, falsch verstandene Hydraulik, falsch dimensionierte Speicher oder fehlende Luftdichtheit.
In diesem Artikel räumen wir mit 7 Mythen auf – jeweils mit:
- Warum der Mythos so verbreitet ist
- Warum er dich Geld kostet
- Was du stattdessen tun solltest
Mythos #1: „Viel Vorlauf = viel Komfort“
Klingt logisch: Heißeres Wasser macht’s wärmer.
Kostet Geld, weil: Wärmepumpen (und auch Brennwertsysteme) werden ineffizient, je höher die Vorlauftemperatur ist. Vor allem bei WP steigt der Strombedarf deutlich, wenn du von z. B. 35–40 °C auf 50–55 °C gehst.
Besser so:
- Heizflächen so auslegen/optimieren, dass du im Normalbetrieb mit niedrigen Vorlauftemperaturen auskommst.
- Bei Heizkörpern: prüfen, ob größere Heizkörper / Gebläsekonvektoren / zusätzliche Flächen möglich sind.
- Bei Fußbodenheizung: sauberer hydraulischer Abgleich + sinnvolle Heizkurve.
✅ Praxis-Check: Wenn du dauerhaft hohe Vorläufe brauchst, ist meistens nicht die Wärmepumpe „schlecht“, sondern die Heizflächen/Regelung/Hydraulik nicht passend.
Mythos #2: „Ein großer Pufferspeicher macht alles effizienter“
Klingt logisch: Speicher = Energie sparen.
Kostet Geld, weil: Ein Puffer kann (je nach Einbindung) die Effizienz verschlechtern:
- zusätzliche Wärmeverluste (Speicher steht warm rum)
- unnötige höhere Systemtemperaturen
- schlechte Schichtung / Durchmischung
- mehr Pumpenlaufzeiten
Besser so:
- Puffer nur einsetzen, wenn es wirklich einen Grund gibt (z. B. hydraulische Entkopplung, Taktungsthema, spezielle Hydraulik).
- Speicheranbindung so planen, dass Schichtung erhalten bleibt.
- Ziel: WP möglichst oft direkt in die Heizkreise arbeiten lassen.
Mythos #3: „Fußbodenheizung ist träge – da lohnt sich Regelung kaum“
Klingt logisch: Beton/estrich = großer Speicher = langsam.
Kostet Geld, weil: Wer deshalb „einfach hochdreht“, fährt häufig:
- zu hohe Vorläufe
- unnötig lange Laufzeiten
- unnötig hohe Raumtemperaturen
Besser so:
- Eine FBH ist träge, ja – aber genau deshalb funktioniert sie besonders gut mit stabiler Heizkurve und kleinen Korrekturen.
- Raumthermostate eher als Begrenzer nutzen, nicht als Hauptregelung.
- Heizkurve sauber einstellen (und dabei Geduld: Änderungen wirken verzögert).
Mythos #4: „Warmwasser muss sehr heiß sein – sonst wird’s gefährlich“
Klingt logisch: Legionellen = hohe Temperatur.
Kostet Geld, weil: Warmwasser mit zu hohen Temperaturen ist bei Wärmepumpen besonders teuer. Viele Systeme werden unnötig auf 55–60 °C gefahren, obwohl es technisch bessere Lösungen gibt.
Besser so:
- Konzepte unterscheiden:
- Speicher-Warmwasser (mit Legionellen-Management)
- Frischwasserstation (Durchlauferwärmung über Wärmetauscher)
- Durchlauferhitzer (punktuell)
- Bei WP gilt: So warm wie nötig – so niedrig wie möglich.
➡️ Passend dazu (intern verlinken): Frischwasserstationen: Warum niedriger Vorlauf goldwert ist
Mythos #5: „PV lohnt sich nur mit Speicher“
Klingt logisch: Ohne Speicher „verschenkst“ du Strom.
Kostet Geld, weil: Speicher sind teuer – und werden oft gekauft, bevor die günstigeren Hebel optimiert sind:
- Lastverschiebung (z. B. Spülmaschine, Waschmaschine)
- Wärmepumpe als thermischer Speicher (Puffer/WW sinnvoll nutzen)
- E-Auto / Wallbox-Strategie
- Smart Home (Automationen)
Besser so:
- Erst Eigenverbrauch erhöhen, dann über Speicher nachdenken.
- Speicher nur dann, wenn es zu deinem Profil passt (Verbrauch, Tarif, Zielsetzung).
✅ Merksatz: Speicher kann sinnvoll sein – aber „Pflicht“ ist er nicht.
Mythos #6: „Dämmung ist rausgeschmissenes Geld – das amortisiert sich nie“
Klingt logisch: „Das dauert doch 30 Jahre!“
Kostet Geld, weil: Ohne Dämmung zahlst du jedes Jahr mehr Heizenergie, hast schlechteren Komfort und oft mehr Feuchte-/Schimmelrisiko an Wärmebrücken. Außerdem wird häufig falsch gerechnet (z. B. ohne realistische Energiepreise, ohne Komfortgewinn, ohne Förderungen, ohne Wartung).
Besser so:
- Dämmung wie eine „Energie-Dividende“ betrachten: jährlich wiederkehrende Einsparung.
- Mit Heizlast und U-Werten rechnen – nicht nur Bauchgefühl.
➡️ Passend dazu: Dämmung-Rechner: Einsparung & Amortisation aus der Heizlast
Mythos #7: „Luftdichtheit ist nur Bürokratie – das bisschen zieht nicht“
Klingt logisch: „Früher ging’s doch auch.“
Kostet Geld, weil: Undichtigkeiten bedeuten:
- Wärmeverlust (kalte Außenluft rein, warme Luft raus)
- Zugluft / Komfortverlust
- erhöhtes Feuchterisiko in Bauteilen (wenn warme feuchte Luft in Konstruktionen strömt)
Besser so:
- Luftdichtheitskonzept (Details!) ernst nehmen: Anschlüsse, Durchdringungen, Fensteranschluss.
- Blower-Door-Test als Qualitätskontrolle sehen, nicht als „Feind“.
Das Wichtigste zum Mitnehmen
Wenn du nur 3 Dinge aus diesem Artikel behältst, dann diese:
- Niedrige Vorlauftemperaturen sind der Effizienz-Boost Nummer 1 (besonders bei Wärmepumpen).
- Speicher & Regelung sind keine Magie – sie müssen hydraulisch und konzeptionell passen.
- Dämmung + Luftdichtheit sind nicht nur „Energie“, sondern auch Komfort und Bauschadensprävention.
Mini-Checkliste: „Wo verbrenne ich gerade Geld?“
- Ist mein Vorlauf unnötig hoch?
- Läuft meine Pumpe ständig oder zu stark?
- Habe ich einen Puffer, der eigentlich nur Verluste produziert?
- Regle ich die FBH tot (statt über Heizkurve)?
- Fahre ich Warmwasser auf 60 °C ohne Not?
- Habe ich PV, aber keine Lastverschiebung?
- Sind Luftdichtheitsdetails wirklich sauber?
Wenn du willst, bauen wir daraus als nächstes einen interaktiven „Mythen-Check“ (Quiz-Style) mit Punkten und konkreten Empfehlungen – perfekt für Conversion und interne Verlinkung.