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How-To & Praxis·28.01.2026·10 Min Lesezeit

7 Hausbau-Mythen, die dich jedes Jahr tausende Euro kosten

Diese 7 Hausbau-Mythen hören sich plausibel an – kosten aber über Jahre richtig Geld. Mit Praxis-Checks, Gegenbeispielen und klaren Handlungstipps.

Viele Entscheidungen im Hausbau entstehen aus „hat man immer so gemacht“. Das Problem: Einige dieser Sprüche sind teuer – nicht sofort, aber jedes Jahr wieder: über unnötig hohe Vorlauftemperaturen, falsch verstandene Hydraulik, falsch dimensionierte Speicher oder fehlende Luftdichtheit.

In diesem Artikel räumen wir mit 7 Mythen auf – jeweils mit:

  • Warum der Mythos so verbreitet ist
  • Warum er dich Geld kostet
  • Was du stattdessen tun solltest

Mythos #1: „Viel Vorlauf = viel Komfort“

Klingt logisch: Heißeres Wasser macht’s wärmer.
Kostet Geld, weil: Wärmepumpen (und auch Brennwertsysteme) werden ineffizient, je höher die Vorlauftemperatur ist. Vor allem bei WP steigt der Strombedarf deutlich, wenn du von z. B. 35–40 °C auf 50–55 °C gehst.

Besser so:

  • Heizflächen so auslegen/optimieren, dass du im Normalbetrieb mit niedrigen Vorlauftemperaturen auskommst.
  • Bei Heizkörpern: prüfen, ob größere Heizkörper / Gebläsekonvektoren / zusätzliche Flächen möglich sind.
  • Bei Fußbodenheizung: sauberer hydraulischer Abgleich + sinnvolle Heizkurve.

✅ Praxis-Check: Wenn du dauerhaft hohe Vorläufe brauchst, ist meistens nicht die Wärmepumpe „schlecht“, sondern die Heizflächen/Regelung/Hydraulik nicht passend.


Mythos #2: „Ein großer Pufferspeicher macht alles effizienter“

Klingt logisch: Speicher = Energie sparen.
Kostet Geld, weil: Ein Puffer kann (je nach Einbindung) die Effizienz verschlechtern:

  • zusätzliche Wärmeverluste (Speicher steht warm rum)
  • unnötige höhere Systemtemperaturen
  • schlechte Schichtung / Durchmischung
  • mehr Pumpenlaufzeiten

Besser so:

  • Puffer nur einsetzen, wenn es wirklich einen Grund gibt (z. B. hydraulische Entkopplung, Taktungsthema, spezielle Hydraulik).
  • Speicheranbindung so planen, dass Schichtung erhalten bleibt.
  • Ziel: WP möglichst oft direkt in die Heizkreise arbeiten lassen.

Mythos #3: „Fußbodenheizung ist träge – da lohnt sich Regelung kaum“

Klingt logisch: Beton/estrich = großer Speicher = langsam.
Kostet Geld, weil: Wer deshalb „einfach hochdreht“, fährt häufig:

  • zu hohe Vorläufe
  • unnötig lange Laufzeiten
  • unnötig hohe Raumtemperaturen

Besser so:

  • Eine FBH ist träge, ja – aber genau deshalb funktioniert sie besonders gut mit stabiler Heizkurve und kleinen Korrekturen.
  • Raumthermostate eher als Begrenzer nutzen, nicht als Hauptregelung.
  • Heizkurve sauber einstellen (und dabei Geduld: Änderungen wirken verzögert).

Mythos #4: „Warmwasser muss sehr heiß sein – sonst wird’s gefährlich“

Klingt logisch: Legionellen = hohe Temperatur.
Kostet Geld, weil: Warmwasser mit zu hohen Temperaturen ist bei Wärmepumpen besonders teuer. Viele Systeme werden unnötig auf 55–60 °C gefahren, obwohl es technisch bessere Lösungen gibt.

Besser so:

  • Konzepte unterscheiden:
    • Speicher-Warmwasser (mit Legionellen-Management)
    • Frischwasserstation (Durchlauferwärmung über Wärmetauscher)
    • Durchlauferhitzer (punktuell)
  • Bei WP gilt: So warm wie nötig – so niedrig wie möglich.

➡️ Passend dazu (intern verlinken): Frischwasserstationen: Warum niedriger Vorlauf goldwert ist


Mythos #5: „PV lohnt sich nur mit Speicher“

Klingt logisch: Ohne Speicher „verschenkst“ du Strom.
Kostet Geld, weil: Speicher sind teuer – und werden oft gekauft, bevor die günstigeren Hebel optimiert sind:

  • Lastverschiebung (z. B. Spülmaschine, Waschmaschine)
  • Wärmepumpe als thermischer Speicher (Puffer/WW sinnvoll nutzen)
  • E-Auto / Wallbox-Strategie
  • Smart Home (Automationen)

Besser so:

  • Erst Eigenverbrauch erhöhen, dann über Speicher nachdenken.
  • Speicher nur dann, wenn es zu deinem Profil passt (Verbrauch, Tarif, Zielsetzung).

✅ Merksatz: Speicher kann sinnvoll sein – aber „Pflicht“ ist er nicht.


Mythos #6: „Dämmung ist rausgeschmissenes Geld – das amortisiert sich nie“

Klingt logisch: „Das dauert doch 30 Jahre!“
Kostet Geld, weil: Ohne Dämmung zahlst du jedes Jahr mehr Heizenergie, hast schlechteren Komfort und oft mehr Feuchte-/Schimmelrisiko an Wärmebrücken. Außerdem wird häufig falsch gerechnet (z. B. ohne realistische Energiepreise, ohne Komfortgewinn, ohne Förderungen, ohne Wartung).

Besser so:

  • Dämmung wie eine „Energie-Dividende“ betrachten: jährlich wiederkehrende Einsparung.
  • Mit Heizlast und U-Werten rechnen – nicht nur Bauchgefühl.

➡️ Passend dazu: Dämmung-Rechner: Einsparung & Amortisation aus der Heizlast


Mythos #7: „Luftdichtheit ist nur Bürokratie – das bisschen zieht nicht“

Klingt logisch: „Früher ging’s doch auch.“
Kostet Geld, weil: Undichtigkeiten bedeuten:

  • Wärmeverlust (kalte Außenluft rein, warme Luft raus)
  • Zugluft / Komfortverlust
  • erhöhtes Feuchterisiko in Bauteilen (wenn warme feuchte Luft in Konstruktionen strömt)

Besser so:

  • Luftdichtheitskonzept (Details!) ernst nehmen: Anschlüsse, Durchdringungen, Fensteranschluss.
  • Blower-Door-Test als Qualitätskontrolle sehen, nicht als „Feind“.

Das Wichtigste zum Mitnehmen

Wenn du nur 3 Dinge aus diesem Artikel behältst, dann diese:

  1. Niedrige Vorlauftemperaturen sind der Effizienz-Boost Nummer 1 (besonders bei Wärmepumpen).
  2. Speicher & Regelung sind keine Magie – sie müssen hydraulisch und konzeptionell passen.
  3. Dämmung + Luftdichtheit sind nicht nur „Energie“, sondern auch Komfort und Bauschadensprävention.

Mini-Checkliste: „Wo verbrenne ich gerade Geld?“

  • Ist mein Vorlauf unnötig hoch?
  • Läuft meine Pumpe ständig oder zu stark?
  • Habe ich einen Puffer, der eigentlich nur Verluste produziert?
  • Regle ich die FBH tot (statt über Heizkurve)?
  • Fahre ich Warmwasser auf 60 °C ohne Not?
  • Habe ich PV, aber keine Lastverschiebung?
  • Sind Luftdichtheitsdetails wirklich sauber?

Wenn du willst, bauen wir daraus als nächstes einen interaktiven „Mythen-Check“ (Quiz-Style) mit Punkten und konkreten Empfehlungen – perfekt für Conversion und interne Verlinkung.